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2006 wurde der Friedensnobelpreis an den Muhammad Yunus und die von ihm gegründete Grameen-Bank verliehen. Erst dann nahm man hierzulande wahr, dass sich seit Jahrzehnten eine alternative Entwicklungsfinanzierung entwickelt hatte. Karitative, kirchliche und andere Non-Profit-Organisationen begleiten seit langem Wege aus der Armut – unabhängig vom Wohl und Wehe der Entwicklungshilfe aus den Industriestaaten. Mikrofinanzinstitute gehen noch einen anderen Weg.

Mit sozialem Engagement, Bildung und letztlich auch Geld können sich arme Menschen eine eigene wirtschaftliche Existenz aufbauen. Ganz überwiegend sind es Frauen, oft in Kooperativen, die über Kleinstkredite einen Zugang zum nötigen Geld bekommen. Da die Kreditvergabe mit Beratung und sozialer Vernetzung verbunden ist, werden rund 97% der Darlehen zurückgezahlt – eine Quote, von der deutsche Banken träumen.

Edda Schröder

 

 

 

 

 

In den letzten Monaten erleben wir zum wiederholten Mal, dass uns die undurchsichtigen, hochriskanten und nicht selten unsauberen Deals an den Finanzmärkten in eine unsichere Zukunft führen. Immer mehr Anleger und Sparer sind verärgert und verunsichert. Sind Mikrofinanzfonds eine Alternative? Ingo Scheulen – Vorsitzender der Verbandes „ökofinanz-21 e.V. –  fragte dazu Edda Schröder, die Initiatorin des neuen Invest In Visions Microfinance Fonds.
Edda Schröder, Invest-in-Visions GmbH

Frau Schröder, Sie haben den deutschen Markt mit einem neuen Anlageprodukt bereichert. Erstmals wurde mit dem „Invest In Visions Microfinance Fonds“ diese Anlageklasse zum freien Vertrieb in Deutschland zugelassen. Inwiefern sehen Sie darin eine Alternative zum spekulativen und hochriskanten Finanzmarkt?

E.S.: Meiner Ansicht nach sind Mikrofinanzfonds eine besondere Anlageform und eine echte Alternative. Die sehr geringe Korrelation zu anderen Anlageklassen (Aktien als auch Renten), die geringe Volatilität (ca. 0,3) und die in der Vergangenheit stetige Rendite unterscheidet diese Anlageklasseklasse vom herkömmlichen Finanzmarkt. Hinzu kommt die „soziale Rendite“:  Wirtschaftlich aktive Menschen in den Entwicklungsländern haben oft keinen oder nur einen erschwerten Zugang zu Banken. Mikrofinanzinstitute ermöglichen ihnen dies durch kleine Geschäftskredite, die in einem überschaubaren kurzen Zeitraum bedient werden können. Damit wird es „armen Leuten“ ermöglicht, ein tragfähiges Einkommen zu generieren.

Ist der „Invest In Visions Microfinance Fonds“ nur etwas für Großinvestoren?

E.S.: Durchaus nicht. Der Fonds eignet sich sowohl für private als auch für institutionelle Anleger mit einem mittel- bis langfristigen Anlagehorizont. Mikrofinanzen sind eine konservative, ruhig verlaufende Anlageklasse, die als Beimischung sehr gut geeignet ist. Da der Fonds inzwischen von der BaFin geprüft und zugelassen ist, können ihn Privatanleger bereits ab 100 EUR über alle Depots beziehen.

Ist es denn nachhaltig und ethisch verantwortlich, durch Geldverleih in Entwicklungsländern zu verdienen?

E.S.: Kofi Annan sagte schon 2005: es handelt sich hierbei um ein Geschäftsmodell, nicht um Wohltätigkeit. Hilfe zur Selbsthilfe ist das Konzept der Mikrofinanz. Meiner Ansicht nach kann dieses Konzept langfristig nur funktionieren, wenn alle Beteiligten davon leben können. Wenn ein Mikrofinanzinstitut nicht profitabel ist (wir reden nicht über Gewinnmaximierung), kann es nicht existieren und den Mikrounternehmer langfristig keine Kredite vergeben. Außerdem ist das Geldinstitut auch selbst Arbeitgeber für viele Menschen. Gerade aufgrund der Rentabilität ist das Konzept nachhaltig. Es gibt zahllose Beispiele dafür, dass die in der Vergangenheit praktizierte Entwicklungshilfe oftmals nicht nachhaltig war.

Wie kann ich als Anleger sicher sein, dass mein Geld auch das tut, was mir versprochen wird?

E.S.: Wir versuchen so transparent wie möglich zu sein. Bei der Auswahl der Mikrofinanzinstitute spielen neben den reinen Zahlen (Bilanzen etc.) auch soziale Fragen eine wichtige Rolle. Wir fragen z.B., wie der Kreditprozess verläuft, wie Kunden ausgewählt werden, wie die Rückzahlungsmöglichkeiten sichergestellt werden können, was die Kunden mit den Geldern machen. Dieses überprüfen wir durch Stichproben, wenn wir vor Ort sind. Des Weiteren erhalten wir regelmäßige Berichte der Mikrofinanzinstitute. Letztlich ist aber das gegenseitige Vertrauen die Grundlage, ohne die es nicht geht.

Ingo Scheulen

 

 

 

 

 

 

© ökofinanz-21. Das Interview führte Ingo Scheulen (ökofinanz-21 e.V.) am 19.10.2011.

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